(In-)Kompetenzen von Gymi-Lehrerinnen und -Lehrern

Symbolbild: (In-)Kompetenzen von Gymi-Lehrerinnen und -Lehrern

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden immer wieder die Schulen geschlossen. An die Stelle von klassischem Präsenzunterricht trat dann jeweils digitaler Fernunterricht via E-Mails, «Microsoft Teams», «Zoom» oder «Skype». Manche schulischen Übungen und Quizzes liessen sich am einfachsten mit Tools wie «Padlet» oder «Kahoot!» erstellen. All dies setzte aber einige technische Fähigkeiten voraus. Corona hat somit gezeigt: Lehrerinnen und Lehrer brauchen nicht nur Kompetenzen im Klassenraum, sondern auch im digitalen Raum. Hier hapert’s aber häufig.

Wir wollen im Folgenden die (In-)Kompetenzen von gymnasialen Lehrpersonen erörtern. Sie sind nämlich ein spezieller Fall. Schon ihre Kompetenzen im Klassenraum sollen nicht herausragend sein. So stehen sie bei vielen Gymi-Schülerinnen und -Schülern (sowie deren Eltern) bereits unter Verdacht, nicht die besten Pädagoginnen und Pädagogen darzustellen. Also: Was haben gymnasiale Lehrkräfte drauf – analog wie digital?

Ausbildung von gymnasialen Lehrpersonen

Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um an Schweizer Gymnasien unterrichten zu dürfen. Zum einen muss man über einen fachwissenschaftlichen Masterabschluss verfügen. Das bedeutet in der Regel ein mindestens fünfjähriges Fachstudium an der Universität oder einer anderen Hochschule. Im Fach beziehungsweise in den Fächern, die sie studiert haben, verfügen Gymi-Lehrpersonen dann über ein sehr grosses Fachwissen.

Zum anderen absolvieren zukünftige gymnasiale Lehrpersonen ein den Masterabschluss ergänzendes Studium. Dieses nennt sich Studium zum «Lehrdiplom für Maturitätsschulen» (LfM) oder einfach «Höheres Lehramt». Dabei handelt es sich um eine pädagogisch-didaktische Ausbildung, die zum Unterrichten an einer Maturitätsschule befähigen soll. Das LfM-Studium dauert total ein Jahr. Zum Vergleich: Um an einer Primarschule unterrichten zu können, studiert man drei Jahre an der Pädagogischen Hochschule (PH).

Kompetenzen im Klassenraum

Ein Merkblatt des Instituts für Erziehungswissenschaften an der Universität Zürich (UZH) hält fest, welche (analogen) Kompetenzen von Lehrpersonen für Maturitätsschulen erwartet werden. Nach der Ausbildung und den ersten Berufsjahren sollten sie vier übergeordnete Kompetenzen im Klassenraum aufweisen: «Es handelt sich dabei erstens um fachliches Wissen und Können, zweitens um allgemein- und fachdidaktisches Wissen und Können, drittens um pädagogisch-psychologisches Wissen und Können sowie viertens um professionelle Selbstregulation, Kooperation und Reflexion» (IfE 2016).

Wie bereits erwähnt denken viele, dass gymnasiale Lehrpersonen diese Fertigkeiten nicht vollumfänglich aufweisen. Besonders die zweite, dritte und vierte Kompetenz werden bisweilen vermisst. Sie beinhalten zum Beispiel, dass eine Lehrperson die Schülerinnen und Schüler zum Lernen motivieren kann. Oder sie komplexe Sachverhalte einfach erklären und den Unterricht vorausschauend planen kann. Der Vorwurf mag in einzelnen Fällen zutreffen.

Grundsätzlich ist dem aber Folgendes entgegenzuhalten: Gymnasiale Lehrkräfte haben ohne Ausnahme ein top Fachwissen, welches die Grundlage für Schulunterricht auf dieser Stufe darstellt. Nur stellt sich die Frage, ob sich reines Fachwissen ohne pädagogisch-didaktische Kompetenzen überhaupt an die Schülerschaft herantragen lässt. Darüber hinaus haben Schülerinnen und Schüler im ständigen Schulstress wenig Interesse für fachliche Themen, die nicht prüfungsrelevant sind.

Kompetenzen im digitalen Raum

Auf dem Merkblatt der UZH bleibt etwas unerwähnt und erscheint damit fälschlicherweise als verzichtbar: die digitalen Kompetenzen von Lehrpersonen. Spätestens mit dem Fernunterricht in der Corona-Pandemie sind diese aber zentral geworden. Zu den Basics gehören die Herstellung von Unterrichtsmaterialien und der sinnvolle Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Damit sind die Medien Ton, Film und Computer sowie digitale Tools für Übungen und Quizzes (z. B. «Padlet» oder «Kahoot!») gemeint. Im Fall von Online-Präsenzunterricht muss man sich das Wissen rund um die dazugehörige Software («Microsoft Teams», «Zoom» oder «Skype») aneignen.

Für diese Zwecke müssen gymnasiale Lehrkräfte die neuen Technologien nutzen können – auch wenn sie dafür nicht spezifisch ausgebildet sind und keine Lust auf die Digitalisierung ihres Unterrichts haben. Dieser Anforderung müssen Lehrpersonen selbstständig entgegenkommen. Dies kann eine grosse Belastung sein.

Genauso wichtig wie das Lernen mithilfe digitaler Medien ist im Übrigen das Lernen über die Spezifika des Digitalen im Deutsch- und/oder Informatik-unterricht (vgl. Beißwenger 2018). Auch hierfür braucht es spezifisches Wissen und Können der Lehrpersonen. Als Beispiel: Eine Analyse von WhatsApp-Nachrichten ist ohne die Kenntnis der Besonderheiten von digitaler Kommunikation (inkl. Schnellschreibphänomene und Funktionen von Emojis) nicht adäquat durchführbar. Als Randbemerkung: Die Informatik wird ab 2022/23 als obligatorisches Schulfach an Schweizer Maturitätsschulen eingeführt.

(In-)Kompetent?

Grundsätzlich gilt: In ihrem Fach beziehungsweise in ihren Fächern sind Gymi-Lehrerinnen und -Lehrer ohne Ausnahme mehr als qualifiziert. Ihre beruflichen Anforderungen sind jedoch sehr hoch.

Erwartet werden umfassende Kompetenzen im analogen wie im digitalen Raum. Ihre pädagogisch-didaktische Ausbildung ist jedoch kurz und knapp, sodass ihre Kompetenzen in diesen Bereichen von Person zu Person stark variieren können. Digitale Kompetenzen, die mit Corona plötzlich zentral geworden sind, müssen sich Gymi-Lehrerinnen und Lehrer weitgehend selbstständig erarbeiten. Also sind allfällige Inkompetenzen ausbildungsbedingt und besonders im Fall von älteren oder unerfahrenen Lehrpersonen entschuldbar.

Literatur

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